stadt.haus.mensch

Nachhaltige Stadtquartiere
Die Gartenstadt der Zukunft

Abwechslungsreich und vielfältig

Abwechslungsreich und vielfältig

Ein preisgekröntes Wohnquartier in Berlin-Charlottenburg

Deutschlands Städte wachsen, urbanes Leben ist begehrter denn je. So wird in Metropolen wie Berlin seit 2012 dringend bezahlbarer Wohnraum gesucht - Prognosen zufolge für 50.000 Menschen. Pro Jahr! Im Berliner Stadtteil Westend haben wir im Auftrag der Eisenbahn-Siedlungs-Gesellschaft (ESG) ein Stadtquartier mit 600 Wohneinheiten und Raum für 1.800 Menschen entwickelt. Unsere Vision war neben der Schaffung von neuem Wohnraum die Realisierung eines nutzungsgemischten Stadtquartiers der kurzen Wege, das lebendige und vielfältige Nachbarschaften ermöglicht. Das Projekt soll Vorbildcharakter haben und zu einem architektonischen, städtebaulichen und stadtökologischen Leuchtturm im Berliner Stadtraum werden.  

Ziel war es ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das an die Tradition des Berliner Städte- und Wohnungsbaus der Weimarer Republik wie von Bruno Taut und Martin Wagner anknüpft und in zeitgemäßer Weise, d.h. ökologisch, interpretiert.

Qualitätsmaßstab Nachhaltiges Bauen

Lebendige, am Menschen orientierte Quartiere brauchen Abwechslungsreichtum und architektonische Vielfalt. Nur wenn bauliche Strukturen schön sind, werden Quartiere attraktiv für unterschiedliche Menschen, Lebens- und Nutzungsformen – und bleiben es dauerhaft. Viele Neubauprojekte des „Modernen Städtebaus“ nach 1950 zeichnen sich neben der völligen Abwesenheit von Nachhaltigkeit durch Gleichförmigkeit und gestalterische Ödnis aus. Für das Projekt Westend wurde deshalb von Beginn an eine ganzheitliche Vorgehensweise angewandt, die sich an den Menschen ausrichtet. Dazu haben wir u.a. folgende Konzepte und Kriterien berücksichtigt:

  • Cradle to Cradle (C2C) – Von der Wiege bis zur Wiege | Green + Blue Economy

  • 17 Sustainables Goals (SDG) der UN

  • Baubiologie und Ökologie (IBN)

  • Bewertungssysteme Nachhaltiges Bauen (DGNB; BNB)

Einladungswettbewerb für nachhaltigen Städtebau und Architektur

Unserer Empfehlung folgend organisierten wir einen 2-stufigen städtebaulichen Architekturwettbewerb mit elf ausgewählten, namhaften Architekturbüros aus Deutschland und dem europäischen Ausland. Der Entwurf des renommierten Büros Vandkunsten aus Kopenhagen überzeugte die Fachjury am meisten. Die Architekten brachten die Idee ein, die neuen Wohngebäude auf dem „Fußabdruck“ der vorherigen Bestandsbauten aufzubauen, um so möglichst viele der Laubbäume auf dem parkähnlichen Grundstück zu erhalten, die den besonderen Ort prägen. Dadurch wird der Grad der Versiegelung substanziell verringert. Ihr Entwurf ergänzte die ursprüngliche, monotone Zeilen-Bebauung der 1950-er Jahre durch räumliche Erweiterungen, die unterschiedliche Nachbarschaften und Adressen sowie hofähnliche Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen lassen, die soziales, nachbarschaftliches Zusammenleben fördern.

Lebendige Vielfalt im Quartier

Quartiere sollen grundsätzlich Raum für unterschiedliche Nutzungen und Lebensformen bieten. Zu den bereits vorhandenen Nutzungen vor Ort zählen ein Krankenhaus, 2 Schulen, eine Kita sowie ein Fußballbundesligist mit mehr als 250 Mitarbeiter. Alle Mitarbeiter dieser Nachbarn fahren überwiegend mit dem Auto zur Arbeit oder vor die Schulen. Neben Wohnungen sind im Entwicklungskonzept daher auch Ladengeschäfte und Praxen sowie der Neubau einer zusätzlichen Kita vorgesehen. So können neben bereits vorhandenen Nachbarschaften neue entstehen und Menschen attraktiven Wohnraum in der Nähe ihres Arbeitsplatzes finden. Das fördert Lebensqualität und Sicherheit der zukünftigen 1.800 Bewohner und entlastet den motorisierten Berliner Individualverkehr spürbar.

Eine inklusive Architektur, die überzeugt in der Gartenstadt der Zukunft

Für das Quartier Westend entwickelte Vandkunsten vier verschiedene Gebäudetypologien, die variantenreich kombiniert eine lebendige Architektursprache sprechen. Die Wohngebäude variieren in der Höhe, sie sind maximal drei- und viergeschossig, um deutlich unter den Baumkronen zu bleiben. Zahlreiche Wohnungen sind inklusiv, barrierefrei und somit behinderten- und altersgerecht. Um die Flexibilität im Quartier und in den Wohnungen zu fördern, haben wir als Richtlinie für die Erdgeschosse die Raumhöhen, wie früher üblich, auf 3,2 m im Lichten festzusetzen. Dadurch können diese Bereiche zukünftig bei Bedarf für Arbeiten, Büros oder auch gewerblich genutzt werden. Die städtebauliche Konfiguration erzeugt abwechslungsreiche Innen- und Außenräume, die eigene Identitäten und Nachbarschaften schaffen. Durch zweigeschossige Portale zwischen den einzelnen Höfen entstehen Blick- und Sichtachsen, die das Ensemble miteinander verbinden.

Außenanlagen sind Teil des Entwicklungskonzepts

Das ganzheitliche Entwicklungskonzept bezieht sich auch auf die Außenanlagen. Heimische Pflanzenarten, die sich an angelegten Wasserflächen ausbreiten, ergänzen darin die bisher mono-strukturierten Freiflächen. So entstehen attraktive Freiräume, die dem Quartier eine eigene Identität verleihen und es resilienter gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels machen. Geplant wurde auch die Möglichkeit für Anwohner, Urban Gardening zu betreiben.

Stadtquartier mit Gütesiegel - Ein Cradle To Cradle inspiriertes Quartier

Für viele Menschen ist nachhaltiges Bauen gleichbedeutend mit energieeffizientem Bauen. Für Stadt.Haus.Mensch. bedeutet es mehr: Weitsichtiges Planen, das sich konsequent am Menschen und seiner Gemeinschaft ausrichtet, das Umwelt und natürliche Ressourcen schont, und die Lebenszykluskosten der Gebäude verringert. Unserer Idee, das Quartier in Holzmassivbauweise auszuführen, stimmte der Bauherr zu. Angesichts der Langwierigkeit von Bebauungsplanverfahren in Berlin haben wir dem Bauherrn vorgeschlagen, diese Bauweise zuvor bei einem anderen, kleineren Projekt in Elstal anzuwenden und zu verproben.  Die Aufenthaltsqualität wird für die Bewohner maximiert und die Vielfalt der Flora und Fauna im Quartier wird nach der Baufertigstellung höher sein als zuvor – Cradle To Cradle at it’s best!

Die Entwicklungsplanung für das Stadtquartier Westend wurde von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) auf ökologische, technische, ökonomische, soziokulturelle und funktionale Qualität sowie auf die Prozessqualität geprüft und erhielt die höchste Bewertungsstufe Platin.

Nachhaltiges Bauen - lohnt sich das?

Unsere Erfahrung zeigt: Schlecht geplante, konventionelle Wohngebäude und Stadtquartiere sind langfristig teurer als nachhaltig gebaute bauliche Strukturen. Dazu kommt, dass sie oft von ihren Bewohnern aufgrund fehlender Qualität nicht angenommen werden. Untersuchungen von über 200 europäischen Siedlung der vergangenen Jahrzehnte zeigen, dass die ökologisch errichteten Quartiere preiswerter und dauerhaft wirtschaftlicher sind als die konventionell errichteten Siedlungen des „modernen Städtebaus“. Abgesehen davon, dass ökologisches Bauen das Gebot der Stunde ist und durch die Verwendung ökologischer Baumaterialien neben den Schutzgütern Boden, Wasser und Luft u.a. die Raumluftqualität in Innenräumen und somit Gesundheit und Wohlbefinden der Bewohner gefördert wird.

Klimafreundliches Energiekonzept

Für das Quartier Westend wurden verschiedene Varianten einer klimafreundlichen Energieversorgung geprüft – vom Anschluss an die Fernwärme über die Nutzung von Biomasse bis zum eigenen Blockheizkraftwerk. Auf den Dächern der Gebäude ist genügend Platz für Photovoltaikanlagen, die Strom für 300 Haushalte liefern könnten. Vorgesehen sind Energiesparfenster mit 3-Scheibenverglasung, kontrollierte Lüftung mit Wärmerück-gewinnung sowie der Bau von 600 kW Photovoltaikanlagen. Auch die Nutzung der Abwärme aus dem Abwasserkanal und kalte Nahwärme wurden in einem eigenen Energiekonzept untersucht. Aber auch mit den benachbarten Schulen und dem Krankenhaus wurden Gespräche bzgl. einer gemeinsamen Energieversorgung geführt.

Intelligente Mobilität vorausgedacht

Das Mobilitätsverhalten im urbanen Raum wandelt sich im erheblichen Maße. Das Auto als Maß aller Dinge des modernen Städtebaus wird zunehmend durch Alternativen abgelöst oder ergänzt. Für das Stadtquartier Westend sind E-Bikes, Elektroautos und Car-Sharing Teil des Mobilitätsangebots.

Vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) und dem Öko-Institut Berlin wurden wir deshalb eingeladen, uns am Forschungsprojekt »WohnMobil« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu beteiligen.

Wasser- und Abwasserkonzept

Wasser ist kostbar - Regenwasser und Abwasser werden im Entwicklungskonzept als wichtige Ressource genutzt. Angestrebt ist eine Regenwasserbewirtschaftung zu 100% auf dem Grundstück und die Trennung der Abwässer in Schwarz-, Gelb- und Grauwasser. Der Trinkwasserbedarf ließe sich damit um 50% und die Schwarz- und Gelbwasserableitung in den öffentlichen Kanal um 70% reduzieren - und damit jährlich 200.000 Euro Wasser- und Abwassergebühren einsparen. Mit einem ausgeklügelten Regenwasserkonzept kann auch mehr Grün auf die Dächer gebracht werden, was das Mikroklima im Quartier spürbar und dauerhaft verbessert.

Sie planen ein Quartier in Ihrer Kommune und benötigen Unterstützung bei der nachhaltigen Planung? Wir beraten Sie gerne. Vereinbaren Sie mit uns ein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch.

 

Unsere Leistungen

Projektentwicklung

  • Strategie, Vision und Konzept

  • Bedarfsermittlung, Machbarkeitsstudie

  • Organisation und Durchführung eines Architekturwettbewerbs

  • Prozessgestaltung mit Bezirk, Senat, Bürger und Bürgern

  • Auswahl geeigneter Architekten mit Prä-Qualifikation Nachhaltigkeit

  • Auswahl Preisrichter

Projektmanagement

  • Prozessgestaltung

  • Projektsteuerung

  • Projektleitung

Nachhaltigkeitsmanagement

  • Nachhaltigkeitskonzept unter Einbeziehung von Cradle To Cradle, Baubiologie

  • Integration Nachhaltigkeitskriterien

  • Auswahl Büro für Wettbewerbsbetreuung

  • Auswahl Auditor DGNB

  • Auswahl und Steuerung Gutachter