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Stadtökologisches Leuchtturmprojekt inmitten Berlins
Integriertes ökologische Wasserkonzept Block 6

Block 6

Block 6

IBA Berlin - Circular Economy

„Städte nehmen inzwischen so große und ökologisch wertvolle Flächen der Landschaft in Anspruch, dass sie im regionalen und globalen Zusammenhang die Umwelt nachhaltig schädigen. Sie müssen deshalb in der Biosphäre und wegen des Klimaproblems ähnliche Funktionen wie die Landschaft übernehmen und natürliche bioaktive Kreisläufe ermöglichen. Diese besondere Eigenschaft der städtischen Landschaft soll Stadtschaft genannt werden (D. Glücklich).“ Das Integrierte ökologische Wasserkonzept Block 6 in Berlin ist hierfür ein Beispiel par excellence und ermöglicht auch, den Menschen in der Stadt ein Bewusstsein für die Lebenszusammenhänge zu ermöglichen. Durch die Anlage konnten bis heute 42 Mio Liter Trinkwasser eingespart werden!

2009 Preisträger des deutschlandweiten Wettbewerbs "365 Orte im Land der Ideen", "Deutschland Land der Ideen"

Das Projekt Block 6 war Teil der IBA 1987 und Modellvor­haben des Experimentellen Wohnungs- und Städtebau „Stadtöko­logie und umweltgerechtes Bauen“. Es zeigt einen visionären Ansatz zur Verwendung von Grau- und Regenwasser und Minimierung des Wasserverbrauchs im Haushalt. Es ist weltweit das einzige derartige Projekt inmitten einer Metropole. Die Aufenthaltsqualität wurde für die Anwohner erhöht, das Element Wasser für Kinder erfahrbar gemacht. Die Anlage in der Nähe des Potsdamer Platzes fördert die Artenvielfalt und verbessert das Mikroklima. Sie wurde 1993 aufgrund technischer Probleme stillgelegt, das Areal verwahrloste und der Rückbau zum Parkplatz drohte. 2006 konnte die Revitalisierung der Gesamtanlage auf dem Gelände der ehemaligen Berliner Phil­harmonie engagiert erreicht werden. Dabei wurde sowohl das Cradle To Cradle Konzept als auch baubiologische Prinzipien zur Anwendung gebracht.

Neukon­zeption 2007 - Stadtökologischer Umbau in Zeiten des Klima­wandels

Ziel des neuen Konzepts war die Optimierung des „Technischen Denkmals“ und ein neues innovatives Wasserkonzept zur Betriebswassernutzung und Regenwasserbewirtschaftung der angeschlossenen 103 Sozialwohnungen. Dabei sollten möglichst große Teile der vorhandenen Anlage genutzt werden und ein Betreibermodells mit Betriebskostenminimierung für die Mieter zur Anwendung kommen. Die Aufenthaltsqualität sollte verbessert- und die offenen und bewachsenen Wasserflächen wiederbelebt werden. Es galt die ökologische Vielfalt zu erhalten und zu verbessern. Um diese wesentlichen Themenfelder der Stadtökologie an eine breite Öffentlichkeit zu vermitteln, sollte auch ein Betriebsgebäude als Ort der Umweltbildung konzipiert werden.

Prozess-Gestaltung 

Voraussetzung nachhaltigen Planens und Bauens ist eine hohe Prozessqualität. Diese wird u.a. durch eine integrale Planung erreicht. Entscheidend für das Gelingen ist eine Kultur des fairen, respektvollen und vertrauensvollen Miteinanders. Das setzt soziale Kompetenz voraus.

Dann können selbst Nachbarn, deren Zustimmung für die Baugenehmigung zwingend erforderlich ist und die gute Gründe für die Versagung ihrer Zustimmung haben, für die Zustimmung gewonnen werden. Wäre dies nicht gelungen, dann stünde an diesem Ort keine grüne Oase sondern ein asphaltierter Parkplatz.                 

Betriebswasserkonzept

Häusliches Abwasser wird in zwei Teilströmen getrennt. Hoch belastetes Schwarzwasser gelangt in den vorhandenen Schmutzwasserkanal der Berliner Wasserbetriebe. Das Abwasser aus Badewannen, Duschen, Handwaschbecken sowie Küchen und Waschmaschinen (Grauwasser) wird durch ein rein biologisch-mechanisches Aqua-Cycle-Verfahren im ökologischen Betriebsgebäude zu hygienisch einwandfreiem Betriebswasser aufbereitet. Anschließend ist es für die Toilettenspülung und für Bewässerungszwecke nutzbar. Einsparung pro Jahr: ca. 3,5 Mio Liter Trinkwasser.

Regenwasserbewirtschaftung

Block 6 leistet aktiven Klimaschutz durch Regenwassermanagement im und am Gebäude. In die ursprüngliche „Pflanzenkläranlage“ wird das auf dem Gelände anfallende Regenwasser eingeleitet, um zu verdunsten oder zu versickern. Dabei werden Pflanzen zur Verdunstung und CO2- Speicherung eingesetzt. Das trägt zur Verbesserung des Mikroklimas im Wohnumfeld bei. Die Mischkanalisation wird spürbar entlastet, die Betriebskosten reduziert, wertvolle „Stadtnaturfläche“ wird gewonnen. Das Gemeinwohl profitiert.

Betriebsgebäude 

Das Betriebsgebäude greift neben funktionalen und wirtschaftlichen Aspekten die Themen Nachhaltigkeit und Stoffkreisläufe auf. Ein Beispiel: Anstatt das vorhandene organisch geschwungene Stahlbetonbecken für Grauwasserreinigung wie üblich abzureißen, wurde es als Fundament genutzt, auf dem eine Holzkonstruktion ruht. Dadurch wurde sowohl Bauabfall („Müll“) als auch die Versiegelung wertvoller Freiflächen vermieden. Ressourcen wurden geschont („Up-Cycling“). Schadstoffe wurden konsequent vermieden. Das weit auskragende Dach dient als Regenschutz für die Besucher und als konstruktiver Holzschutz der Fassade. Das Dach wurde extensiv begrünt und dient sowohl der Regenwassergewinnung als auch zum Schutz vor Überhitzung im Sommer. Das Regenwasser wird sichtbar in die Grünanlage geleitet. Die Lichtkuppeln lassen siebenmal mehr Tageslicht in das Gebäude als vertikale Fenster und minimieren den Bedarf an künstlicher Beleuchtung. Eine Photovoltaikanlage durfte nicht realisiert werden.

Mit der breiten Umsetzung des Konzeptes können Häuser und Quartiere in Zukunft statt Abwasser hochwertiges Betriebswasser und frische Nahrungsmittel produzieren.

Auswirkungen, Inkubation

Der erforderliche stadtökologische Wandel braucht gute Projekte, denn Bilder nutzen mehr als 1.000 Worte. Das ursprüngliche Konzept wurde 1987 eingeweiht und hat sich rückblickend bewährt. Wir können nicht noch weitere 40 Jahre warten, um das zu tun was wir wissen. Visionäre Projekte wie Block 6 sind Teil des wind of change. Diese vorbildlichen Zellen wachsen gesund, verbreiten sich stetig und werden zu Initialzündern dieses Wandels.
Als Visionär Steven Becker - wie Klaus Zahn Cradle-to-Cradle-akkreditierter Architekt - dieses Projekt vor Ort erlebte, sprang bei ihm sofort der Funke über. Steven gründete Lateral Thinking Factory in Brüssel mit dem Ziel, ähnlich Projekte in seiner Heimatstadt Brüssel zu verwirklichen. Wenige Jahre später plante er die „Ferme Abbatoir“ auf den Dächern der ehemaligen Schlachthöfe in Brüssel, bei denen heute neben der Wasserbewirtschaftung auch soziale Themen (Gartenarbeit für Manager mit Burn Out), Urban Gardening und Fischzucht beispielhaft umgesetzt werden.

2013 hat die Technische Universität Berlin an Block 6 angedockt und das wissenschaftliche Projekt ROOF WATER-FARM gestartet, das die vorhandene Abwasseraufbereitungstechnologie mit Nahrungsmittelproduktion verknüpft. Dabei kommen Hydroponik und Aquaponik als gebäudeintegrierbare, wasserbasierte Bewirtschaftungsstrategien zum Einsatz.

Unsere Leistungen

Objektplanung

  • Entwicklung Gesamtkonzept mit Ahner Landschaftsarchitektur

  • Objektplanung Gebäude

Projektmanagement

  • Projektsteuerung, Prozessgestaltung

  • Abstimmungen mit allen Beteiligten, sicherstellen der entscheidenden nachbarschaftlichen Zustimmung

Nachhaltigkeit

  • Strategie, Konzept, Management

  • Anwendung Cradle To Cradle Konzept und Kriterien Baubiologie IBN